SANTA LINGUA

О нас : История : Официальные документы : Auf dem Wege zur Demokratie

Sonnabend/Sonntag, 20./21. April 1996 Nr. 93 Seite II

Auf dem Wege zur Demokratie

Statt Waffen zivile Produkte

Seit Beginn des 19. Jahrhunderts werden in Ischewsk Waffen produziert. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Waffenproduktion von Tula hierher verlagert. Nun kämpft das Land darum, die Konversion von der Kriegsproduktion — 85 Prozent Industrieanteil — zur zivilen Fertigung zu schaffen. Der Übergang zur Marktwirtschaft hat die alten Strukturen zerstört. Die Arbeiter mancher Fabriken warten monatelang auf ihre Löhne.
Die Bodenschätze, darunter Erdöl, kann Udmurtien inzwischen laut Auskunft der Regierung überwiegend für eigene Zwecke verwerten.

Fachleute

Sicherlich ist auch ein Reservoir an kompetenten Fachleuten da, weil die Waffenproduktion Experten erforderte.
Antonina M. Lisina, stellvertretende Regierungschefin, merkt realistisch an: Die wirtschaftliche Situation sei sehr schwierig, weil man sich mitten in der Umstellung von der militärischen zur zivilen Produktion befinde. „Wir haben mehr ungelöste als gelöste Probleme", bekennt sie unumwunden.
Ein Katalog mit über 360 Seiten in Russisch und Englisch, 1994 aufgelegt, listet Firmen und Unternehmen in Udmurtien mit ihrer Produktpalette auf. Weitere Schritte zur Öffnung nach außen, zum Ankurbeln des Exports sollen folgen.

 

ulv

Die Republik Udmurtien ist autonom, das heißt relativ selbständig innerhalb Rußlands. 1995 waren die jüngsten Wahlen. Ins Parlament (den Staatsrat) wurden 100 Mitglieder gewählt. Die Position eines Präsidenten gibt es in Udmurtien nicht, so die offizielle Auskunft, nach der in der Regierung die gewählten Minister gleichberechtigt sind.

Primus inter pares ist seit 1995 der Russe Pawel Werschinski. Die Udmurtin Antonina M. Lisina nimmt die Position der stellvertretenden Regierungschefin ein. Zu den ernannten Ministern gehört Wladimir Garnow, zuständig für Jugendpolitik. Beim Empfang der Lüneburger Gruppe war Alla Eremenko, Vorsitzende des Ausschusses für Wissenschaft, Er-

ziehung, Kultur und Jugendpolitik, dabei.
Auch die Stadt Ischewsk verwaltet sich selbst: Bürgermeister Anatolij Saltikow wurde direkt gewählt. 30 Stadtabgeordnete (früher sollen es 500 gewesen sein) sitzen im Stadtrat.

ulv

Kultur und Zeitungen

Kultur wird — noch? — groß geschrieben in Ischewsk und Udmurtien. Der Name Tschaikowsky verpflichtet eben. Er kam in Wotkinsk, einer Nachbarstadt von Ischewsk, zur Welt. Sein Geburtshaus wurde zum Museum umgestaltet.
Der professionelle Ischewsker Tschaikowsky-Chor besteht mit seinen 28 Mitgliedern seit vier Jahren, wird von Stadt und Land unterhalten. Ebenso wie zwei Folklore-Tanzgruppen, eine russische und eine udmurtische. Die Zweiteilung setzt sich fort im russischen und udmurtischen Schauspieltheater in getrennten Gebäuden. Ein Puppentheater und ein Jugendtheater ergänzen das Angebot. Zu dem gehört nicht zuletzt das Staatstheater für Oper und Ballett, das im 1984/85 gebauten Haus mit 350 Plätzen aufwartet.

Es ist das einzige dieser Art in Udmurtien. Aus den 25 Bezirken der Republik werden die Besucher per Bus zu den Vorstellungen herangefahren.
Direktor Wladimir Nikolaewitsch Avvakumow erklärt, daß die Verwaltung vom Staats bezahlt wird, der übrige Etat (3 Milliarden Rubel = eine Million Mark) selbst eingespielt weden

Warten auf Gage

muß — bei Eintrittspreisen von 10000 Rubel (= drei Mark). Das Vermieten von nicht genutzten Räumen bringe zusätzlich Geld in die Kasse. Die Tänzer des 45köpfigen Ballettensembles verdienen zwischen 350 000 und 500 000 Rubel, etwa gleich viel wie ein Facharzt. Ende März warteten die Tänzer/innen allerdings noch auf ihre Februargage.

 

Bis 1991 unangefochtene Parteizeitung, kämpft die Udmurtskaja Prawda heute um ihr Überleben: Die Auflage ist seit '94 von 85 000 auf 55 000 gesunken. Aus Geldmangel könne ihre Zeitung nur noch dreimal in der Woche erscheinen, erklärt Chefredakteurin Lubövj Iwanowna Katko-wa. Subventioniert wird das Organ von Staatsrat und Regierung Udmurtiens. 15 Redakteure gestalten das Blatt. Arbeits-schluß: 16 Uhr; Verdienst: 500000 bis eine Million Rubel. Die landesweit per Post vertriebene Zeitung kostet im Jahresabonnement 72 000 Rubel (etwa 20 Mark). Außerdem sind u.a. auf dem Markt in Udmurtien Zeitungen wie „Udmurt dünne" (udmurtisch), „Istwestja Udmurtskoi Respubliki" und „Reklama", ein kostenloses Anzeigenblatt,

ulv

Sonnabend/Sonntag, 20./21. April 1996 Nr. 93 Seite II

Auf dem Wege zur Demokratie

Statt Waffen zivile Produkte

Seit Beginn des 19. Jahrhunderts werden in Ischewsk Waffen produziert. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Waffenproduktion von Tula hierher verlagert. Nun kämpft das Land darum, die Konversion von der Kriegsproduktion — 85 Prozent Industrieanteil — zur zivilen Fertigung zu schaffen. Der Übergang zur Marktwirtschaft hat die alten Strukturen zerstört. Die Arbeiter mancher Fabriken warten monatelang auf ihre Löhne.
Die Bodenschätze, darunter Erdöl, kann Udmurtien inzwischen laut Auskunft der Regierung überwiegend für eigene Zwecke verwerten.

Fachleute

Sicherlich ist auch ein Reservoir an kompetenten Fachleuten da, weil die Waffenproduktion Experten erforderte.
Antonina M. Lisina, stellvertretende Regierungschefin, merkt realistisch an: Die wirtschaftliche Situation sei sehr schwierig, weil man sich mitten in der Umstellung von der militärischen zur zivilen Produktion befinde. „Wir haben mehr ungelöste als gelöste Probleme", bekennt sie unumwunden.
Ein Katalog mit über 360 Seiten in Russisch und Englisch, 1994 aufgelegt, listet Firmen und Unternehmen in Udmurtien mit ihrer Produktpalette auf. Weitere Schritte zur Öffnung nach außen, zum Ankurbeln des Exports sollen folgen.

 

ulv

Die Republik Udmurtien ist autonom, das heißt relativ selbständig innerhalb Rußlands. 1995 waren die jüngsten Wahlen. Ins Parlament (den Staatsrat) wurden 100 Mitglieder gewählt. Die Position eines Präsidenten gibt es in Udmurtien nicht, so die offizielle Auskunft, nach der in der Regierung die gewählten Minister gleichberechtigt sind.

Primus inter pares ist seit 1995 der Russe Pawel Werschinski. Die Udmurtin Antonina M. Lisina nimmt die Position der stellvertretenden Regierungschefin ein. Zu den ernannten Ministern gehört Wladimir Garnow, zuständig für Jugendpolitik. Beim Empfang der Lüneburger Gruppe war Alla Eremenko, Vorsitzende des Ausschusses für Wissenschaft, Er-

ziehung, Kultur und Jugendpolitik, dabei.
Auch die Stadt Ischewsk verwaltet sich selbst: Bürgermeister Anatolij Saltikow wurde direkt gewählt. 30 Stadtabgeordnete (früher sollen es 500 gewesen sein) sitzen im Stadtrat.

ulv

Kultur und Zeitungen

Kultur wird — noch? — groß geschrieben in Ischewsk und Udmurtien. Der Name Tschaikowsky verpflichtet eben. Er kam in Wotkinsk, einer Nachbarstadt von Ischewsk, zur Welt. Sein Geburtshaus wurde zum Museum umgestaltet.
Der professionelle Ischewsker Tschaikowsky-Chor besteht mit seinen 28 Mitgliedern seit vier Jahren, wird von Stadt und Land unterhalten. Ebenso wie zwei Folklore-Tanzgruppen, eine russische und eine udmurtische. Die Zweiteilung setzt sich fort im russischen und udmurtischen Schauspieltheater in getrennten Gebäuden. Ein Puppentheater und ein Jugendtheater ergänzen das Angebot. Zu dem gehört nicht zuletzt das Staatstheater für Oper und Ballett, das im 1984/85 gebauten Haus mit 350 Plätzen aufwartet.

Es ist das einzige dieser Art in Udmurtien. Aus den 25 Bezirken der Republik werden die Besucher per Bus zu den Vorstellungen herangefahren.
Direktor Wladimir Nikolaewitsch Avvakumow erklärt, daß die Verwaltung vom Staats bezahlt wird, der übrige Etat (3 Milliarden Rubel = eine Million Mark) selbst eingespielt weden

Warten auf Gage

muß — bei Eintrittspreisen von 10000 Rubel (= drei Mark). Das Vermieten von nicht genutzten Räumen bringe zusätzlich Geld in die Kasse. Die Tänzer des 45köpfigen Ballettensembles verdienen zwischen 350 000 und 500 000 Rubel, etwa gleich viel wie ein Facharzt. Ende März warteten die Tänzer/innen allerdings noch auf ihre Februargage.

 

Bis 1991 unangefochtene Parteizeitung, kämpft die Udmurtskaja Prawda heute um ihr Überleben: Die Auflage ist seit '94 von 85 000 auf 55 000 gesunken. Aus Geldmangel könne ihre Zeitung nur noch dreimal in der Woche erscheinen, erklärt Chefredakteurin Lubövj Iwanowna Katko-wa. Subventioniert wird das Organ von Staatsrat und Regierung Udmurtiens. 15 Redakteure gestalten das Blatt. Arbeits-schluß: 16 Uhr; Verdienst: 500000 bis eine Million Rubel. Die landesweit per Post vertriebene Zeitung kostet im Jahresabonnement 72 000 Rubel (etwa 20 Mark). Außerdem sind u.a. auf dem Markt in Udmurtien Zeitungen wie „Udmurt dünne" (udmurtisch), „Istwestja Udmurtskoi Respubliki" und „Reklama", ein kostenloses Anzeigenblatt,

ulv

Случайная фотография

"Santa Lingua" // Summer. 1 session, 2011

Опрос

Какой язык вы бы хотели изучать в "Санта Лингве"?


Результаты