SANTA LINGUA

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Gäste kommen aus Udmurtien

 

22. April 1995

Reise vom Ural nach Lüneburg

ulv Lüneburg. Drei Tage und Nächte Zugfahrt liegt hinter ihr; jetzt sitzt die neunköpfige Gruppe aus Udmurtien, einer russischen Republik vor dem Ural, mit etwas blassen Gesichtern und vor Müdigkeit kleinen Augen im Empfangszimmer der Hauptschule Oedeme. Drei Schülerinnen, vier Schüler, eine Lehrerin und ein Dozent haben sich aus der udmurtischen Hauptstadt Ischewsk aufgemacht, um im über 3 000 Kilometer entfernten Lüneburg Land und Leute kennenzulemen, die deutsche Sprache zu pflegen. Auf privater Basis wurde der Besuch organisiert — hauptsächlich von Dr. Andre Nedobuch, Dozent an der

Universität Ischewsk. Bei einem Jugendlager am Schwarzen Meer waren die Kontakte mit Rektor Hans-Wilhelm Tietje und Wolfgang Gabbert (ehemals Dezernent für Grund-, Haupt- und Realschulen bei der Bezirksregierung) intensiv geknüpft worden. Den Gegenwert von zwei Monatsgehältern zahlten die Eltern der Schüler für die Fahrt ins ferne Deutschland. Hier sind sie privat untergebracht. Bis zum 30. April werden sie in zwei zehnten Klassen der Hauptschule "mitgehen", daneben ein Besichtigungs - Programm absolvieren. Eine zweite Gruppe kommt Anfang Mai nach Lüneburg. Seit sechs bis acht Jahren haben sie

Deutschunterricht. Natürlich möchten sie ihre Sprachkenntnisse hier verbessern, aber auch "neue Freunde gewinnen", wie Nelli Wergeles sagt. Für Natalja Russkich war es "ein Traum, in einer deutschen Familie zu leben". Andrej Bataschow möchte vielleicht "später einemal in Deutschland studieren". Das deutsche Schulsystem interessiert Daniel Nowitzkij. Dr. Nedobuch möchte dauerhafte und fruchtbare Kontakte zur Universität und der Fachhochschule in Lüneburg schaffen. "Vor der Perestroika hatten wir keinerlei Verbindung zum westlichen Ausland", erklärt er. Ischewsk gehörte zu einem

 

militärischen Sperrgebiet. Da gibt es natürlich einen großen Nachholbedarf. Die Vereinigung Santa Lingua, zu der sich Enthusiasten in Ischewsk zusammengeschlossen haben, um Deutsch und Englisch zu pflegen, will über Dr. Nedobuch den Informationsaus tausch einrichten. Udmurtien und Ischewsk hätten mehr zu bieten als Tschaikowsky und Kalaschnikow, die dort geboren seien, versichert Dr. Nedobuch.

Gäste kommen aus Udmurtien

 

22. April 1995

Reise vom Ural nach Lüneburg

ulv Lüneburg. Drei Tage und Nächte Zugfahrt liegt hinter ihr; jetzt sitzt die neunköpfige Gruppe aus Udmurtien, einer russischen Republik vor dem Ural, mit etwas blassen Gesichtern und vor Müdigkeit kleinen Augen im Empfangszimmer der Hauptschule Oedeme. Drei Schülerinnen, vier Schüler, eine Lehrerin und ein Dozent haben sich aus der udmurtischen Hauptstadt Ischewsk aufgemacht, um im über 3 000 Kilometer entfernten Lüneburg Land und Leute kennenzulemen, die deutsche Sprache zu pflegen. Auf privater Basis wurde der Besuch organisiert — hauptsächlich von Dr. Andre Nedobuch, Dozent an der

Universität Ischewsk. Bei einem Jugendlager am Schwarzen Meer waren die Kontakte mit Rektor Hans-Wilhelm Tietje und Wolfgang Gabbert (ehemals Dezernent für Grund-, Haupt- und Realschulen bei der Bezirksregierung) intensiv geknüpft worden. Den Gegenwert von zwei Monatsgehältern zahlten die Eltern der Schüler für die Fahrt ins ferne Deutschland. Hier sind sie privat untergebracht. Bis zum 30. April werden sie in zwei zehnten Klassen der Hauptschule "mitgehen", daneben ein Besichtigungs - Programm absolvieren. Eine zweite Gruppe kommt Anfang Mai nach Lüneburg. Seit sechs bis acht Jahren haben sie

Deutschunterricht. Natürlich möchten sie ihre Sprachkenntnisse hier verbessern, aber auch "neue Freunde gewinnen", wie Nelli Wergeles sagt. Für Natalja Russkich war es "ein Traum, in einer deutschen Familie zu leben". Andrej Bataschow möchte vielleicht "später einemal in Deutschland studieren". Das deutsche Schulsystem interessiert Daniel Nowitzkij. Dr. Nedobuch möchte dauerhafte und fruchtbare Kontakte zur Universität und der Fachhochschule in Lüneburg schaffen. "Vor der Perestroika hatten wir keinerlei Verbindung zum westlichen Ausland", erklärt er. Ischewsk gehörte zu einem

 

militärischen Sperrgebiet. Da gibt es natürlich einen großen Nachholbedarf. Die Vereinigung Santa Lingua, zu der sich Enthusiasten in Ischewsk zusammengeschlossen haben, um Deutsch und Englisch zu pflegen, will über Dr. Nedobuch den Informationsaus tausch einrichten. Udmurtien und Ischewsk hätten mehr zu bieten als Tschaikowsky und Kalaschnikow, die dort geboren seien, versichert Dr. Nedobuch.

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"Santa Lingua" // Summer. 1 session, 2010

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