ulv Lüneburg. Fast schon zur liebgewordenen Routine sind die Besuche udmurtischer Gruppen in Lüneburg geworden. Zwei waren schon im April und Mai 1995 zu Besuch. Jetzt haben Hans-Wilhelm Tietje, Rektor der Hauptschule Oedeme, und Dr. Andrej Nedobuch, Dozent an der udmurtischen Universität Ischewsk, zum dritten Male in diesem Jahr elf Udmurten aus der Hauptstadt der russischen Republik am Ural nach Deutschland geholt. Bei Gasteltern wurden sie untergebracht und über zwei Wochen durch ein abwechslungsreiches Programm geführt. Alle bis auf einen haben Vize-Ministerin ist mit dabeischon in der Schule Deutsch gelernt, studieren Germanistik oder unter- | richten das Fach. Einen offiziellen Anstrich verleiht Ludmila Popowa dem Besuch. Sie ist stellvertretende Ministerin für Jugendpolitik in der udmurtischen Regionalregierung. Besonders interessiert sie sich für die Ausbildung und Weiterqualifizierung Jugendlicher. In Udmurtien stellen sie ein Drittel der Arbeitslosen. Arbeit sucht auch die 22 jährige Swetlana Tschschernyschewa, die Wunschberuf Dolmetscherinnach ihrem Germanistikstudium keine Anstellung als Lehrerin gefunden hat im Gegensatz zu ihren gleichaltrigen Kommilitoninen Marina Lushbi-na oder Swetlana Mjasnikowa. Gerne möchte sie als Dolmetscherin arbeiten, aber es gibt nur wenige offene Stellen. Mit Eng- | lisch als Zweitsprache hätte sie mehr Chancen, dazu müßte sie aber eine Zeitlang nach England oder Amerika gehen. Dafür fehlt ihr jedoch das Geld. Auch Geschäftsmann Ale-xandr Schilochwostow ist dabei. Er will über die IHK Lüneburg Kontakte knüpfen mit deutschen Firmen. Seit drei Jahren hat er ein eigenes Unternehmen, das jetzt mit acht Lkw und 50 Mitarbeitern bestückt ist. Gebrauchte Computer, Kleidung und Lebensmittel will er importieren. Probleme mit der Bürokratie habe er nicht, aber mit den hohen Steuern, sagt er. Die Verbindung mit Dr. Nedobuch kam zustande, als Schilochwostow in dessen Sprachstudio Santa Lingua privat, aber staatlich anerkannt seine Kinder Kurse absolvieren ließ. Angeboten werden | Deutsch und Englisch, als Ergänzung zum Schulunterricht. Alle berichten nur von positiven Erfahrungen mit den Deutschen: „Sie sind höflich und immer nett." Gefallen hat ihnen das historische Stadtbild von Lüneburg. Ischewsk ist dagegen eine moderne Kommune mit Industrie, die früher Waffen anfertigte und jetzt ihre Produktion auf zivile Erzeugnisse umzustellen versucht. |